Licht aus!

Dienstag, 6. Mai 2014

In Gebäuden werden weltweit etwa 40 Prozent unserer Energie verbraucht, die Sparmöglichkeiten sind daher riesig. Ein vom Bundeswirtschaftsministerium gefördertes Projekt hat das ehrgeizige Ziel, den Energieverbrauch von Büroarbeitsplätzen um 20 Prozent zu senken. Unter der Leitung von Corporate Technology erarbeiten die Partner – unter anderem das Fraunhofer Institut IWES, die Universität Kassel und der Energienetzbetreiber E.ON Mitte – die pinta-Plattform (Pervasive Energie durch internetbasierte Telekommunikationsdienste).


Die Grundidee ist einfach: Das System aktiviert Energieverbraucher nur dann, wenn sie tatsächlich benötigt werden. „Das Besondere an pinta ist dass wir einzelne Arbeitsplätze und deren Nutzer betrachten“, erklärt die Projektleiterin Jelena Mitic aus dem Technologiefeld Network & Communication. „Insbesondere in grossen Büros lässt sich viel Energie sparen, wenn gezielt nur die Arbeitsplätze beleuchtet und geheizt werden, an denen Menschen arbeiten.“ pinta stellt sich auf die Menschen und ihre Bedürfnisse ein. Das System weiss aus den Terminkalendern, wer voraussichtlich wann im Büro sein wird und kann so rechtzeitig den entsprechenden Bürobereich auf Betriebstemperatur vorheizen. pinta „erkennt“ Menschen an ihren Smartphones, einfach und komfortabel, denn die meisten Mitarbeitenden tragen ihr Telefon immer bei sich. Betritt ein Mitarbeiter das Gebäude, bereitet pinta zum Beispiel PC und Drucker vor, indem sie auf standby geschaltet werden.
 
Innerhalb des Gebäudes kann pinta ebenfalls mit Hilfe der Smartphones den Mitarbeiter lokalisieren. Sobald er das Büro betritt, stellt das System Beleuchtung und Heizung an seinem Arbeitsplatz auf individuelle Wohlfühlwerte ein, Sensoren für Licht und Temperatur kontrollieren jeden Arbeitsplatz. pinta spart so nicht nur Energie, die Benutzer profitieren insbesondere von einer komfortableren Arbeitsumgebung, die sie persönlich mit einer Smartphone Applikation an ihre Bedürfnisse anpassen können. Angst vor „totaler Überwachung“ durch pinta müssen die Mitarbeitenden trotzdem nicht haben. Die Privatsphäre des Einzelnen wird durch Anonymisierung geschützt, zudem werden alle Mitarbeitenden, die das pinta-System nutzen, ausführlich geschult und über das Systemverhalten informiert.

Interessantes Konzept für Building Technologies
Die Entwicklung des pinta-Prototyps ist weitgehend abgeschlossen, er wird seit Dezember 2012 im Rathaus der hessischen Kommune Bruchköbel getestet. Mehrere Büros des Gebäudes aus den 1970er Jahren wurden mit pinta ausgerüstet. Aktuell läuft der Feldtest, um zu ermitteln, wie viel Energie tatsächlich gespart wird. „Die grosse Stärke von pinta ist, dass sich das System mit jeder Büroeinrichtung verbinden lässt“, sagt Christian Winkler, Leiter der Research Group Internet of Things, die für die pinta-Entwicklung zuständig ist. „Im letzten Projektjahr werden wir uns darauf konzentrieren, die Installation und Konfiguration noch weiter zu vereinfachen. Ein pinta-System mit vielen Arbeitsplätzen und Sensoren ist sehr komplex. Interessante Lösungsansätze, diese Komplexität zu beherrschen, leiten wir direkt aus unseren Forschungen ab. Das pinta-System war ein Anziehungspunkt auf der diesjährigen CeBit. Das zeigt, wie ernst das Thema Energiesparen in Gebäuden genommen wird.“